Pina fällt aus von Vera Zischke / Rezension

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Autorin:
Vera Zischke ist 1980 im Rheinland geboren und ausgebildete Journalistin. Ihr Debütroman „Ava liebt noch“ wurde tausendfach in den sozialen Netzwerken empfohlen und dadurch zum geheimen Bestseller. Sie lebt im Ruhrgebiet und rotiert zwischen ihren Rollen als dreifache Mutter, Zeitungsreporterin und Schriftstellerin. Wenn sie jemand fragt, wie sie das alles schafft, sagt sie: “Was wollte ich nochmal hier? Ah, genau… Kaffee.” Auf Instagram schreibt sie als @verazischke über ihr Leben als Tired Writing Mom.

Klappentext:
Wenn du weißt, dass du für jemanden die ganze Welt bist
Als Pina mitten auf der Straßenkreuzung zusammenbricht, hat sie nur einen Gedanken: Wer kümmert sich jetzt um Leo? Ihr Sohn ist zwanzig Jahre alt und lebt in seiner eigenen Welt, die außer ihm nur Pina kennt. Morgens verlässt er das Bett erst, wenn eine grüne Blase in seiner Lavalampe aufsteigt. Wenn er Treppen geht, dann in seinem eigenen Rhythmus: immer zwei Schritte vor und einen Schritt zurück.
Die übrigen Hausbewohner verstehen den merkwürdigen Jungen nicht. Die sechzehnjährige Schulabbrecherin Zola, der resignierte Einsiedler Wojtek und die lebensmüde Seniorin Inge haben mit sich selbst schon genug zu tun. Doch jetzt liegt Pina auf der Intensivstation und Leo ist zum ersten Mal allein in der Wohnung. Die Nachbarn sind in Schockstarre. Sie können doch wohl nicht zuständig sein! Aber Leo braucht sie. Und während diese ungewöhnliche Truppe durch einen völlig neuen Alltag stolpert, realisiert jeder Einzelne von ihnen: Sie brauchen Leo auch.
Rezension:
⭐⭐⭐⭐☆ 4 von 5 Sternen
Manchmal braucht es einen unerwarteten Schicksalsschlag, damit Menschen zusammenfinden, die vorher kaum etwas miteinander zu tun hatten. Genau davon erzählt dieser unglaublich gefühlvolle und ergreifender Roman.
Ich muss gestehen, dass ich zu Beginn ein wenig Schwierigkeiten hatte, in die Geschichte hineinzufinden. Der Schreibstil war für mich zunächst ziemlich gewöhnungsbedürftig und ich brauchte etwas Zeit, um mich daran zu gewöhnen. Doch je weiter ich gelesen habe, desto besser kam ich in die Geschichte hinein. Irgendwann hatte sie mich dann richtig gepackt und emotional sehr berührt.
Im Mittelpunkt steht Pina, die plötzlich ins Krankenhaus muss und ihren 20jährigen Sohn Leo zurücklässt. Für Leo ist das eine besonders schwierige Situation, denn sein Alltag ist von festen Abläufen und Ritualen geprägt. Er braucht seine gewohnten Strukturen, die ihm Sicherheit geben. Schon kleine Veränderungen können ihn völlig aus der Bahn werfen. Und plötzlich ist seine Mutter nicht mehr da, obwohl sie doch eigentlich nach Hause kommen müsste.
Die Nachbarn kennen Leo zwar vom Sehen und haben seine besonderen Eigenheiten durchaus wahrgenommen, doch wirklich beschäftigt hat sich bisher niemand mit ihm. Eigentlich lebt jeder sein eigenes Leben und man hat kaum etwas miteinander zu tun.
Doch als Pina plötzlich ausfällt, bleibt den Nachbarn nichts anderes übrig, als sich mit Leo und seiner besonderen Art auseinanderzusetzen. Was zunächst wie eine kaum zu bewältigende Herausforderung erscheint, entwickelt sich nach und nach zu etwas unglaublich Schönem.
Und genau dieser Zusammenhalt der Nachbarn hat mich an der Geschichte am meisten berührt.
Menschen, die vorher kaum Berührungspunkte miteinander hatten, beginnen plötzlich, Verantwortung zu übernehmen. Sie müssen lernen, Leo zu verstehen, auf seine Bedürfnisse einzugehen und sich auf seine ganz eigene Welt einzulassen.
Besonders schön fand ich dabei, dass sich nicht nur für Leo etwas verändert, sondern auch für die Nachbarn selbst. Jeder bringt seine eigene Geschichte, seine Gewohnheiten und seine persönlichen Schwierigkeiten mit. Doch durch die Begegnungen mit Leo beginnen sie, ihr eigenes Leben zu hinterfragen, eingefahrene Verhaltensweisen zu überdenken und sich Stück für Stück zu verändern.
Dabei geschieht vieles ganz leise und unspektakulär, und gerade das macht die Geschichte für mich so besonders. Es sind nicht unbedingt die großen Gesten, sondern die kleinen Schritte aufeinander zu, das wachsende Verständnis und die Bereitschaft, füreinander da zu sein.
Ich fand es unglaublich berührend mitzuerleben, wie Menschen, die vorher nebeneinanderher gelebt haben, langsam zu einer Gemeinschaft werden. Und wie Leo, der zunächst für viele einfach nur der etwas sonderbare junge Mann aus der Nachbarschaft war, auf seine ganz eigene Weise auch das Leben der anderen verändert.
Für mich ist „Pina fällt aus“ deshalb so viel mehr als nur eine Geschichte über einen jungen Mann, der plötzlich ohne seine Mutter zurechtkommen muss. Es ist ein Roman über Menschlichkeit, Mitgefühl, gegenseitiges Verständnis und darüber, wie sehr Begegnungen mit anderen Menschen unser eigenes Leben bereichern und verändern können.
❤️ Mein Fazit:
Ein unglaublich gefühlvoller und ergreifender Roman, der mich nach anfänglichen Schwierigkeiten doch sehr berühren konnte.
Besonders die Entwicklung der einzelnen Nachbarn und der Zusammenhalt, der durch Leo entsteht, haben diese Geschichte für mich zu etwas ganz Besonderem gemacht. Ich mochte es sehr, wie die Figuren nach und nach über sich hinauswachsen und dabei auch ganz neue Seiten an sich selbst entdecken.
Lediglich der für mich anfangs gewöhnungsbedürftige Schreibstil hat meinen Lesefluss zunächst etwas gebremst. Doch rückblickend bin ich froh, dass ich drangeblieben bin, denn die Geschichte hat mir emotional wirklich viel gegeben.
Ein wunderschöner Roman darüber, dass manchmal gerade die Menschen, mit denen wir am wenigsten anfangen können, am meisten in uns bewegen.
Von mir gibt es 4 von 5 Sternen. ⭐⭐⭐⭐